Prüfungsprogramm – Brazilian Jiu Jitsu

Brazilian jiu Jitsu Prüfungsordnung

ANLAGE 4: PRÜFUNGS- UND AUSBILDUNGSORDNUNG
Fachbereich: Mixed Martial Arts (MMA) – Qualifikation zur Lehrkraft (Fachtrainer/in)

Präambel
Die vorliegende Prüfungs- und Ausbildungsordnung definiert die Standards für die Qualifizierung zur Lehrkraft im Mixed Martial Arts (MMA). Die Ausbildung basiert auf dem Grundsatz, dass modernes MMA ein eigenständiges, hochkomplexes System darstellt und weit mehr erfordert als die bloße Addition von Einzeldisziplinen (wie Grappling und Thaiboxen). Im Fokus des Curriculums steht die methodische Vermittlung der nahtlosen Übergänge zwischen den Kampfformen. Um eine hohe Unterrichtsqualität zu gewährleisten, integriert die Ausbildung neben dem technisch-taktischen Rüstzeug gezielt neueste sportwissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere in den Bereichen funktionelles Training, Sporternährung und langfristige Verletzungsprophylaxe im Kampfsport.

1. Struktur der Ausbildung und Zulassungsvoraussetzungen
Das Ausbildungsprogramm richtet sich an fortgeschrittene Kampfsportler und ist in modularen Kompaktwochen und Technik-Wochenenden (Stufe „Basic-Instructor“) organisiert.

Zulassungsvoraussetzungen: Zur Sicherstellung eines hohen Ausbildungsniveaus müssen Anwärter über mindestens 3 Jahre nachgewiesene Trainingserfahrung in einer Kernkampfsportart des MMA (z.B. Grappling, Ringen, Judo, Boxen, Muay Thai) verfügen. Zudem werden grundlegende Cross-Training-Erfahrungen in ergänzenden Kampfsportbereichen sowie eigenes, aktives MMA-Training vorausgesetzt.

2. Curriculare Rahmenpläne der Ausbildungsmodule
Die Ausbildung zum MMA-Instructor gliedert sich in aufeinander aufbauende Module, die fachpraktische Spezialtechniken mit didaktischem Hintergrundwissen verzahnen:

Modul 1: Grundlagen, Methodik und Taktik (3 Tage)
In diesem Modul liegt der Schwerpunkt auf den MMA-spezifischen Besonderheiten, die in isolierten Kampfsportarten nicht vorkommen (z.B. Käfig-Arbeit).

Fachdidaktik & Methodik: Erstellung von Stundenverlaufsplänen, Grundsätze der Unterrichtsplanung, MMA-spezifisches Bandagieren (Hand-Wrapping).

Standkampf (Striking) & Übergänge: Methodik der spezifischen MMA-Kampfstellungen, Vermeidung von distanzbedingten Fehlern, Set-Up-Varianten für Takedowns (z.B. Double Leg).

Verteidigung & Bodenkampf: Grundvarianten der Takedown-Defense, Methodik für das „Sprawl & Brawl“, Open-Guard-Techniken im Stand und am Boden inkl. Ground & Pound.

Modul 2: Vertiefung, Trainingssteuerung und Clinch-Konzepte (3 Tage)
Dieses Modul fokussiert sich auf die systematische Trainingssteuerung und die komplexe Nahdistanz.

Trainingslehre & Didaktik: Detaillierte Stundengestaltung und Unterscheidung von Unterrichtstypen (Technikstunde, Konditionstraining, Einführungsstunde). Optimale Reihenfolge von Trainingsinhalten, präventives und leistungssteigerndes Warm-Up.

Sportwissenschaftliche Profile: Analyse des Anforderungsprofils im MMA (technisch, taktisch, konditionell), Aufbau von MMA-spezifischem Konditionstraining.

Spezifische Nahdistanz (Clinch & Cage): Grundunterschiede und methodische Vermittlung der verschiedenen Clinch-Arten (Box-Clinch, Thai-Clinch, Ringer-Clinch), „Dirty Boxing“ und Anti-Grappling-Strategien.

Grappling für MMA: Vermittlung der wichtigsten Submissions (Aufgabegriffe) unter MMA-Bedingungen, Systematik des Ground & Pound mit Schlag-, Knie- und Ellbogentechniken.

3. Zentrale Prüfungselemente (Qualifikation zur Lehrbefähigung)
Die Zertifizierung zum MMA-Trainer erfolgt nicht allein durch das Demonstrieren von Kampftechniken, sondern erfordert den zwingenden Nachweis der pädagogischen Lehrkompetenz. Die Abschlussprüfung jedes Moduls umfasst folgende verbindliche Elemente:

Fachdidaktische Lehrprobe (Praxis): Der Prüfling muss exemplarisch einen Teil einer Unterrichtsstunde vor der Prüfungskommission und der Ausbildungsgruppe anleiten. Das spezifische Thema wird zu Beginn des Moduls zugewiesen, um die spontane methodische Anpassungsfähigkeit zu testen.

Schriftliche Unterrichtsplanung (Theorie): Zur Lehrprobe ist ein detaillierter, didaktisch fundierter Stundenverlaufsplan anzufertigen und einzureichen. Dieser muss die Lehrziele, die methodische Reihe (Aufwärmen, Hauptteil, Cool-down) sowie Sicherheitsaspekte klar definieren.

Technisch-taktische Überprüfung: Laufende Evaluation der fehlerfreien technischen Demonstration, insbesondere beim Verbinden von Striking und Grappling sowie dem Arbeiten am Käfig (Cage-Work).

4. Pädagogische, gesundheitliche und sportwissenschaftliche Grundsätze
Das übergeordnete Ziel der Ausbildung ist der Satz: „Gute Kämpfer kann man nur ausbilden, wenn diese sich so wenig wie möglich verletzen!“

Verletzungsprophylaxe: Angehende Lehrkräfte werden geprüft, ob sie ihr Training so strukturieren können, dass Überlastungen und Verletzungen systematisch vermieden werden.

Vermeidung von Isolations-Fehlern: Die Trainer müssen in der Lage sein, Haltungs- und Taktikfehler bei ihren Schülern zu korrigieren, die entstehen, wenn Stand- und Bodenkampf von Schülern gedanklich nicht verbunden werden.