Taekwondo Prüfungsordnung

ANLAGE 6: PRÜFUNGS- UND AUSBILDUNGSORDNUNG

Fachbereich: Taekwondo – Qualifikation zur Lehrkraft

Präambel Diese Prüfungsordnung stellt die verbindliche Grundlage für eine ordnungsgemäße und systematische Ausbildung im Fachbereich Taekwondo dar. Sie verknüpft die traditionellen koreanischen Lehrinhalte mit modernem sportpädagogischem Fachwissen. Die Ausbildung zielt darauf ab, die Anwärter über das Kup- und Dan-Graduierungssystem schrittweise an die fachliche, charakterliche und didaktische Eignung zur professionellen Lehrkraft (Meistergrad) heranzuführen. Die in dieser Ordnung abgebildeten Inhalte sind bei jeder Prüfung zwingend zu beachten.

1. Struktur der Ausbildungsgänge (Kup- und Dan-Grade) Das Curriculum ist in aufeinander aufbauende Ausbildungsstufen unterteilt, welche mit fest definierten Warte- und Vorbereitungszeiten an die Anforderungen der Lehrbefähigung heranführen:

  • Unterstufe (10. bis 7. Kup / Weiß- bis Gelb-Grüngurt): Die Vorbereitungszeit beträgt 3 Monate pro Stufe. Der pädagogische Fokus liegt auf dem Erlernen der Dojang-Etikette (Verhaltensregeln), der Grundschule (beidseitige Ausführung) und ersten Pratzenübungen. Die Anwärter erlernen die Basis-Formen (Taeguk il-chang, i-chang), den 1-Schritt-Kampf (ilbo-taeryon) und werden über die Fallschule an die Selbstverteidigung herangeführt.

  • Mittelstufe (6. bis 4. Kup / Grün- bis Blaugurt): Die Vorbereitungszeit beträgt 3 bis 4 Monate pro Stufe. Neben komplexeren Formen (Taeguk sam-chang bis oh-chang) wird das Repertoire um den 2- und 3-Schritt-Kampf (ibo- und sambo-taeryon) erweitert. In dieser Stufe erfolgt die Einführung in den Freikampf (kyorugi) mit Schutzausrüstung sowie die erste Überprüfung der Durchschlagskraft mittels einfachem Bruchtest (kyot-pa).

  • Oberstufe (3. bis 1. Kup / Blau-Braun- bis Braungurt mit Schwarz): Die Vorbereitungszeit beträgt 4 bis 6 Monate pro Stufe. Die Anwärter müssen fortgeschrittene Formen (Taeguk yuk-chang bis pal-chang) fließend präsentieren. Die Selbstverteidigung (hosinsul) umfasst nun die freie Abwehr aus allen Distanzen, Bodenlagen sowie die Verteidigung in Raumnot und gegen Waffen (Stock, Messer). Die Bruchtests erfordern komplexe Kombinationen und Sprungtechniken.

  • Meisterstufe und Lehrbefähigung (1. bis 5. Dan / Schwarzgurt): Die Vorbereitungszeiten steigen hier exponentiell an (z.B. 1 Jahr zum 1. Dan, bis zu 5 Jahre zum 5. Dan). Der Fokus verlagert sich auf die Meisterformen (Koryo, Kumgang, Taebaek, Pyongwon, Sipjin) und das Lehren. Im Bereich der Selbstverteidigung müssen eigenständig einstudierte Programme gegen mehrere bewaffnete Angreifer demonstriert werden. Ab dieser Stufe wird die uneingeschränkte Lehrbefähigung erteilt.

2. Zentrale Prüfungselemente (Qualifikation zur Lehrbefähigung) Die Zertifizierung zur Lehrkraft erfordert den erfolgreichen Abschluss in folgenden Prüfungssäulen:

  • Fachpraktische Prüfung (Technik & Formen):

    • Grundschule: Fehlerfreie, beidseitige Ausführung der Techniken in allen Lagen (arae, momtong, olgul).

    • Formen: Dynamische und flüssige Präsentation der Poomsae; bei Abbruch ist maximal eine Wiederholung zulässig.

    • Pratzenübungen: Formenorientierte (traditionelle Stellungen) und wettkampforientierte Präzisionsarbeit, wobei der Prüfling die Positionierung der Pratzen selbstständig anleitet.

    • Bruchtest (kyot-pa): Nachweis der technischen Wirksamkeit durch das Zerstören von Fichtenholzbrettern (unter Berücksichtigung genauer Material- und Stärkenvorgaben je nach Alter und Geschlecht).

  • Situative Anwendung:

    • Partnerübungen: Variationsreicher, zielgenauer Einsatz der Grundtechniken gegen einen Gegner (ohne oder mit leichtem Kontakt).

    • Freikampf: Überprüfung von Dynamik, Schnelligkeit, Ausweichverhalten und Distanzgefühl unter voller Schutzausrüstung.

    • Selbstverteidigung: Wirksame Abwehr unter strikter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit der Mittel und der allgemeinen Situationsübersicht.

  • Fachdidaktische Lehrprobe (Meisterstufe): Selbstständige Planung und Durchführung einer Unterrichtseinheit. Der Anwärter beweist seine Fähigkeit, Techniken alters- und leistungsgerecht zu vermitteln (didaktische Reduktion) und Gruppen sicher zu führen.

  • Fachtheoretische Prüfung:

    • Kup-Grade: Mündliche Befragung zu koreanischen Fachbegriffen, der Taekwondo-Philosophie und dem Notwehrrecht.

    • Dan-Grade: Schriftliche Prüfung über einen speziellen Fragebogen zu sport- und fachspezifischen Themen. Ab dem 3. Dan ist zwingend eine fundierte schriftliche Ausarbeitung zu einem vorgegebenen Themengebiet zu leisten. Anhand dieser Ausarbeitungen wird der Erfolg der theoretischen Lehrerprüfung bestimmt.

3. Pädagogische, administrative und gesundheitliche Grundsätze Zur Einhaltung des hohen Bildungsstandards unterliegt die Ausbildung folgenden Qualitätssicherungsmaßnahmen:

  • Sicherheit und Hygiene: Prüflinge müssen in einem sauberen Dobok erscheinen; Finger- und Fußnägel sind aus Verletzungsgründen kurz zu halten. Das Tragen einer vollständigen Schutzausrüstung im Freikampf ist Pflicht.

  • Gesundheitsschutz bei Bruchtests: Kinder unter 10 Jahren sind aufgrund des hohen Verletzungsrisikos strikt von der Durchführung von Bruchtests ausgeschlossen.

  • Einhaltung der Curricula: Die definierten Wartezeiten zwischen den Graduierungen sind zwingend einzuhalten. Ausnahmen sind nur durch gesonderte Genehmigung der Prüfungskommission bei außergewöhnlichen sportlichen oder pädagogischen Leistungen zulässig.

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