ANLAGE 8: PRÜFUNGS- UND AUSBILDUNGSORDNUNG
Fachbereich: Boxen (Klassische Faustkampfschule) – Qualifikation zur Lehrkraft
Präambel Die vorliegende Prüfungs- und Ausbildungsordnung definiert die methodischen und didaktischen Standards für die Lehrerausbildung im klassischen Boxen an der Sportschule Asia. Das Curriculum verknüpft die biomechanischen Grundlagen der europäischen Faustkampfschule mit modernsten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen der Trainingslehre. Das Hauptziel der Ausbildung ist es, fachlich und pädagogisch versierte Lehrkräfte hervorzubringen, die den Boxsport – sowohl als gesundheitsorientierten Breitensport (Fitness-Boxen) als auch als Leistungssport – sicher, verletzungsfrei und technisch anspruchsvoll vermitteln können.
1. Struktur der Ausbildungsgänge (Leistungs- und Ausbildungsstufen) Da das klassische Boxen kein traditionelles Gürtelsystem verwendet, gliedert sich die Ausbildung in systematisch aufeinander aufbauende Leistungsstufen (Level), die mit definierten Vorbereitungszeiten an die Anforderungen der Lehrbefähigung heranführen:
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Grundstufe (Level 1: Basis- und Technikschulung): Vermittlung der absoluten Grundlagen der Biomechanik und Motorik. Fokus auf die korrekte Kampfstellung (Grundstellung), Balance, elementare Schrittarbeit (Gleiten, Zirkeln) sowie die saubere Ausführung der grundlegenden Schlagmatrix (Führhand/Jab, Schlaghand/Cross). Einführung in die statische Partnerarbeit und grundlegende Verteidigung (Doppeldeckung, Parieren). Mindestwartezeit zur nächsten Stufe: 6 Monate.
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Aufbaustufe (Level 2: Komplexe Techniken und bedingtes Sparring): Erweiterung des Repertoires um Haken (Kopf- und Körperhaken) und Aufwärtshaken (Uppercut) in Kombinationen. Intensivierung der Meidbewegungen (Auspendeln, Abtauchen, Rollen). Einführung in das bedingte, aufgabenbezogene Sparring (z.B. nur Führhand) unter strikter Aufsicht. Mindestwartezeit zur nächsten Stufe: 6 bis 8 Monate.
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Leistungsstufe (Level 3: Freies Sparring und Ringtaktik): Vorbereitung auf die Assistenzlehrertätigkeit. Vertiefung der Ringtaktik, Distanzkontrolle (Infight, Halbdistanz, Langdistanz) und Konterboxen. Die Anwärter absolvieren freies Sparring und erlernen die methodischen Grundlagen, um Anfänger in der Grundstufe anzuleiten. Mindestwartezeit zur Trainerzulassung: 12 Monate.
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Meister- und Trainerstufe (Level 4: Qualifikation zur Lehrkraft): Dies entspricht der Zertifizierung zur vollwertigen Lehrkraft (Fachtrainer/in für Boxen). Der Fokus verlagert sich von der eigenen kämpferischen Leistung vollständig auf die Didaktik, die sichere Führung von Trainingsgruppen, das Anleiten von Pratzentraining und die detaillierte Trainingsplanung. Zulassungsvoraussetzung ist das vollendete 18. Lebensjahr sowie der Nachweis eines Erste-Hilfe-Kurses.
2. Zentrale Prüfungselemente (Qualifikation zur Lehrbefähigung) Die Zertifizierung zur Lehrkraft erfordert den erfolgreichen Abschluss in folgenden vier Prüfungssäulen:
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Fachpraktische Prüfung (Technik und Biomechanik):
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Schattenboxen: Demonstration von flüssiger Beinarbeit, Balance und mehrschlägigen Kombinationen im Raum.
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Gerätearbeit: Nachweis von Schlagkraft, Ausdauer und korrekter Kraftübertragung (Kinetische Kette) an Sandsack und Doppelendball.
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Sparring: Souveränes Auftreten im Ring, Ringkontrolle, Auge-Hand-Koordination und die Fähigkeit, unter Stress saubere Techniken auszuführen.
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Spezifische Lehrkompetenz (Pratzenarbeit / Pad-Work): Eine elementare Prüfungssäule im Boxen. Der Anwärter muss beweisen, dass er als Trainer die Pratzen ergonomisch und verletzungsfrei für sich und den Schüler halten kann. Geprüft werden Rhythmusgefühl, das Abfragen komplexer Kombinationen und das Simulieren von Gegenangriffen zur Schulung der Meidbewegungen beim Schüler.
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Fachdidaktische Lehrprobe (Unterrichtsnachweis): Planung und Durchführung einer 45-minütigen Unterrichtseinheit. Die Lehrprobe muss eine klare methodische Reihe erkennen lassen (z.B. Erwärmung/Mobilisation -> Technikvermittlung am Partner -> bedingtes Sparring -> Cool-Down). Geprüft wird die Fehlerkorrektur (didaktische Reduktion) bei den Schülern.
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Fachtheoretische Prüfung:
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Sportbiologie & Anatomie: Fundiertes Wissen über die Biomechanik des Boxens, Handanatomie und das korrekte Bandagieren (Taping) zur Prävention von Handgelenks- und Mittelhandverletzungen.
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Trainingslehre: Aufbau von Konditions- und Ausdauertraining (z.B. HIIT, Intervalltraining spezifisch für Box-Runden).
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Regelkunde & Sicherheit: Kenntnis des Notwehrrechts, Wettkampfregeln, Cutman-Grundlagen sowie Erkennung und Handhabung von leichten Schädel-Hirn-Traumata (Concussion-Protocol).
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3. Pädagogische, administrative und gesundheitliche Grundsätze Um den Vorgaben als anerkannte Bildungseinrichtung zu entsprechen, gelten strenge Qualitätssicherungsmaßnahmen:
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Höchste Sicherheitsstandards (Kopfschutz): Im Boxsport hat der Schutz vor Kopfverletzungen höchste Priorität. Im Sparring ist das Tragen von zertifizierten Boxhandschuhen (ausreichende Unzen-Zahl je nach Gewichtsklasse), Kopfschutz und Zahnschutz obligatorisch. Ein „Knock-out“ im Trainings-Sparring wird als schwerer Kontrollverlust der Lehrkraft gewertet.
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Inklusion und Zielgruppenorientierung: Die angehenden Lehrkräfte werden geprüft, ob sie zwischen „Fitness-Boxen“ (ohne Kontakt zum Kopf) für den Breitensport und leistungsorientiertem Kontakt-Boxen differenzieren können. Die Methodik muss stets der jeweiligen Zielgruppe angepasst werden.
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Wertevermittlung und Fair Play: Boxen verlangt höchste Disziplin. Die Lehrkräfte sind verpflichtet, ihren Schülern tiefen Respekt vor dem Trainingspartner, Fairness und die strikte Trennung von sportlichem Wettkampf und außersportlicher Gewaltanwendung zu vermitteln. Zuwiderhandlungen führen zum sofortigen Entzug der Lehrlizenz.

